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Hans-Peter Lenz Hans-Peter Lenz wrote on July 6, 2018 at 7:42 pm
PTD Kurs 23. – 27. April 2018 bei der Firma Jahn in Grub am Forst

Wer hat dieses Problem nicht schon gehabt: es werden in eine Flügelmechanik neue Hämmer eingebaut, und weil die viel schwerer sind als die alten, wird die Vordertaste an allen möglichen und unmöglichen Stellen mit Blei gefüllt, nur damit man ein annäherndes Niederdruckgewicht von 50 Gramm erzielt. Die Folge davon ist: die Taste hat zu viel Masse, die bei kraftvollem Spiel mit sehr viel Kraft in Bewegung gesetzt werden muss.
Ich hatte dieses Problem in meiner Laufbahn schon einige Male und habe dann die Hammerschwänze konisch geschliffen um das Gewicht zu verringern oder die Piloten versetzt. Und es ging dann irgendwie mit weniger Blei in der Taste. Für mich war es immer ein Ausprobieren.

Einen sehr interessanten Lösungsansatz bietet PTD (Precision Touch Design). Entwickelt vom Amerikaner David Stanwood, prüft man verschiedene Maße und Gewichte an der Mechanik und findet anhand von Erfahrungswerten und Berechnungen Möglichkeiten, um Änderungen in der Mechanik vorzunehmen, damit eine angenehme Spielart erreicht wird.

Anfangs Jahr hatte die Firma Jahn einen PTD Kurs ausgeschrieben und nachdem ich wiederholt davon gehört hatte, entschloss ich mich zur Teilnahme. Ende April war der Kurs und ich habe es nicht bereut. Zusammen mit 11 weiteren Teilnehmern wurden wir von Frans Pietjouw, Wim Feldhaus und Ferdinand Schmutzer in die Welt des PTD eingeführt.
Man konnte im Vorfeld wählen, ob man an einem 3tägigen Theoriekurs oder einem 5tägigen Theorie- und Praxiskurs mitmachen möchte. Ich entschied mich für den 5tägigen Kurs und habe eine Flügelmechanik aus den 1970er Jahren mitgenommen. Die Hämmer wurden vor ca. 6 Jahren ersetzt, die Spielart begeistert nicht.

Nach einer Einführung in Hebelgesetze und Mechanikverhältnisse lernten wir, wie man Auf- und Niedergewicht nach PTD misst. Die Summe dieser beiden Werte geteilt durch 2 ergibt das Balancegewicht. Dieser Wert und die Gewichte von Hammer und Hebeglied, der Taste und deren Hebelverhältnis sind die Grundlage zum Errechnen des Übersetzungsverhältnisses der Mechanik. Das Verhältnis wird im PC errechnet, nachdem man alle Daten eingegeben hat. Mit Hilfe eines Programms wird die wichtige Anpassung des Übersetzungsverhältnisses an das Gewicht der Hämmer geplant (designt). Die Arbeiten an den Lösungsvorschlägen, von z.B. Pilote versetzen bis zum Ausbleien waren sehr interessant, dazu gab es Tipps zu Materialien und Schmierstoffen.

Das Ziel des Kurses war, 18 Probetasten fertigzumachen, um das Thema PTD mit dem Rest in der heimischen Werkstatt nochmals zu vertiefen. Ich hatte mit meiner Mechanik kein Glück, es hat nichts gepasst. Ich musste die Hebegliedbalken einseitig verschieben, die Hebegliedsättel ersetzen um die HPW Linie zu korrigieren und die Piloten neu positionieren um ein vernünftiges Hebelverhältnis zu erreichen. Dann habe ich noch gelernt, wie die Hebegliedtragefedern reguliert werden. Durch die Hebegliedtragfedern wurden zwar wenig Bleie eingebaut, dafür sehr unregelmässig in den Vorderhebeln verteilt. Ich werde die alten Tastenbleie herausnehmen und die Gewichte neu, wie es uns Frans und Wim gezeigt haben, nach PTD einsetzen. Das heisst, ich habe nach dem Kurs noch viel Arbeit, bin aber zuversichtlich, dass der Flügel endlich optimal spielen wird und allen gefällt.

Wim Feldhaus hatte einen älteren Flügel mitgebracht, an dem er ein PTD installiert hat. Wir konnten an diesem Instrument testen, wie sich eine Mechanik mit PTD anfühlt. Und ein weiteres spannendes Experiment konnten wir ausprobieren: was passiert mit dem Klang, wenn das Anschlagsgewicht um 0,7 bis 1,4 Gramm erhöht wird?

Ich möchte mich, sicher auch im Namen aller Teilnehmer, bei Frans, Wim und Ferdinand für den interessanten Kurs, die Anregungen und Tipps bedanken.

Der Dank geht ebenfalls an Andreas Harke, seine Familie und sein Team, das uns an einem Abend mit feinen Coburger Bratwürsten vom Grill, natürlich mit reichlich Beilagen verwöhnt hat.
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